Mittwoch, 10. Oktober 2007

Hey Jungs,
wir schämen uns in Grund und Boden, dass wir uns hier bisher so gar nicht am Blog beteiligt haben und geloben Besserung! Ich hab seit heute auch Internet in meiner Wohnung, also kann ich jetzt auch in Ruhe Bilder hochladen!
Erstmal muss ich das "recht gut klappen" mit dem Spanisch etwas relativieren ... Also mit anderen Erasmusstudenten kann ich mich inzwischen echt ganz gut unterhalten und mit Spaniern auch, solange sie seeehr langsam reden. Wenn sie sich untereinander unterhalten, verstehe ich nichts. Aber das kommt hoffentlich noch. Und sie geben sich auch wirklich Mühe langsam mit uns zu reden.
Die Uni hat bei mir ganz gut angefangen. Ich beleg dieses Semester nur zwei Vorlesungen und beide bei den Medizinern, aber die sind ziemlich aufwendig. Die Uni ist hier total verschult, es gibt Klassen, die immer im gleichen Hörsaal sind und zu denen die Profs kommen.
Mein einer Prof hat ein Programm geschrieben, dass er zum Abfragen am Anfang der Vorlesung verwendet: das Programm wählt zufällig einen Namen und eine Schwierigkeitsstufe aus und der entsprechende Student muss dann eine Frage in dieser Schwierigkeitsstufe beantworten. Für richtige Antworten gibts einen Plus- für falsche einen Minuspunkt und unter dem Namen blinkt, je nachdem ob er mehr oder weniger als 0 Punkte hat, ein grüner Daumen nach oben oder ein roter nach unten auf. Als er das Programm eingeführt hat, ist mir fast das Herz stehengeblieben, aber inzwischen glaub ich ( und hoffe es!!! ), dass ich nicht im System drin bin. Für die Vorlesung muss ich auch Praktikumsberichte auf Spanisch schreiben. Ich bin also gut beschäftigt, aber es ist ja auch echt super zum Spanisch lernen. Der Prof hat mir auch angeboten in seinem Institut ( Physiologie und Biophysik ) zu arbeiten und überlegt sich jetzt was biophysikalisches, was ich machen kann. Das ist schon echt krass hier, wie freundlich und hilfsbereit die alle sind. Und dass sie sich auch so für einen interessieren. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Profs in Deutschland sich auch so begeistert auf jeden Erasmusstudenten stürzen ...
Ansonsten leben wir natürlich das Erasmusleben voll aus. Die Spanier sind wirklich feierfreudig und was für die Russen Wodka trinken ist, ist hier sich auf öffentlichen Plätzen gnadenlos zu besaufen und dann um vier tanzen zu gehen. Da wir noch immer bis zu 35°C haben, ist das echt toll und viel schöner als in irgendwelchen Bars zu sitzen. Und je mehr man trinkt, desto besser kann man auch Spanisch ;)Allerdings schaffen wir es nicht immer bis zur Disko durchzuhalten, weil wir uns immer noch viel zu früh treffen und nicht erst um eins wie die Spanier!
Ich versuch jetzt auch mal ein paar Bilder hochzuladen, dann könnt ihr auch sehen, wie schöööön es hier ist :)
Also, schreibt weiter so fleißig :)
Hasta luego!
Esvenja

Wir sind Nobelpreisträger

Gerade haben wir erfahren, dass der Physik-Nobelpreis wiedermal in die Heimat vergeben wurde. Noch in meiner letzten Prüfung in Deutschland - Festkörperphysik bei Prof. Abstreiter - hab ich genau diesen Effekt erklären müssen, für den es jetzt den schwedischen Preis gab: Riesenmagnetowiderstand. Und vor zwei Wochen haben wir hier einen Festkörperphysiker gefragt, ob er in seiner Vorlesung Details über die für diesen Effekt relevante RKKY-Wechselwirkung bringen wird. Hatte er leiden nicht vor.

In diesen Sinne ein Prosit für Peter Grünberg!

Montag, 8. Oktober 2007

Generalkonsularische Schokolokomotive

Hallo! Nachdem Andi schon ziemlich viel geschrieben hat, darf ich jetzt auch endlich mal ran! Von Samstag auf Sonntag haben wir in meinen Geburtstag reingefeiert. Der langen Tradition folgend, die Philipp (mein Bruder) in England eingeführt hat, habe ich auf gut Schwäbisch Käs' Spätzle gekocht (mit knapp 2kg Mehl). Dazu gabs dann russisches Bier und Vodka, was man auf einigen Bildern auch sieht :D. Mit seinem Geburtstagsgeschenk hat mir Andi einen Kindheitstraum erfüllt: Als ich ca. fünf Jahre alt war, hat mir meine Mama einen Geburtstagskuchen in Form einer Lokomotive gebacken, schön verziert mit Keksen als Rädern und vielen Smarties. Seit dem hab ich mir jedes Jahr immer wieder so einen Geburtstagskuchen gewünscht und nie bekommen! Doch dieses Jahr, ausgerechnet in Russland, war es soweit: Andi hat mir kunstvoll und mit viel Liebe eine Lokomotive gebaut, die ihr auf den Photos bewundern könnt!

Am Sonntagabend hatten wir mal wieder ein Erlebnis der besondern Art: Der DAAD hatte für 17 deutsche Hochschulrektoren und -präsidenten eine Informationsreise durch Russland organisiert, an der auch die Vizepräsidentin der TUM teilnahm. Zum Auftakt dieser Reise hatte der dt. Vizegeneralkonsul von St. Petersburg zu einem Empfang mit russischen Hochschulvertretern in sein Penthouse am Ufer des Fontanka-Kanal mitten im Stadtzentrum mit Blick über die Dächer St. Petersburgs geladen. Fr. Dr. Keidel (TUM-Vize) arrangierte, dass wir auch eingeladen wurden, um als Beispiel deutscher Studenten an einer russischen Universität zu dienen. Diese Aufgabe haben wir dann auch vor Allem am Buffet wahrgenommen, das schlichtweg mal wieder der Hammer war. Für das leibliche Wohl sorgte das "Nevskij Palace", ein *****-Hotel von der Haupteinkaufsstraße der Stadt. Aufgetischt wurde nur das Feinste vom Feinsten! Nebenbei unterhielten wir uns mit den Hochschulrektoren über das Leben in St. Petersburg und über die größeren bildungspolitischen Zusammenhänge: "Ich sage ihnen, das amerikanische System wird von den vielen Ausländern getragen, die ins Land kommen. Ich sage ihnen, in 10 bis 15 Jahren bricht das zusammen!" (dt. Hochschulkanzler). Im Verlauf des Abends wurde dann auch die Stimmung immer lockerer, wozu die leckeren Getränke nicht unwesentlich beitrugen, und vor allem mit Fr. Dr. Keidel, die sehr nett ist, wurde der Umgangston persönlicher: "Komm, geben sie mir noch ein Glas Rotwein, jetzt ist's auch schon wurscht!" Und spätestens als der Andi ihr gesteckt hatte, dass ich heute Geburtstag hätte, umarmte sie mich, um zu gratulieren und bat den Vizegeneralkonsul, doch noch eine Flasche Vodka aufzumachen. Als wir abends wieder zu Hause waren und uns in unsere 20cm durchhängenden Pritschen betteten, erschien uns Alles wie ein Traum!

Die letzten Wochen haben wir sehr viel Zeit mit ein paar Mädels aus Ischewsk, das liegt am südwestlichen Ende des Urals, ca. zwei Zugtage von St. Petersburg entfernt, verbracht, die hier ein Praktikum gemacht haben. Die Mädels haben sehr viel Geduld aufgebracht, mit uns russisch zu reden, was uns sehr geholfen hat. Dies ging jedoch zu Lasten unseres Mitspracherechts bzgl. was und wann wir etwas unternehmen. Eine SMS sah dann zum Beispiel so aus: "Wir treffen uns um 20:00, fahren in die Stadt, gehen dann in ein Jazzlokal bis 1 Uhr nachts, dann machen wir eine Dampferrundfahrt und schauen uns das Öffnen der Brücken an, und dann gehen wir ins Kino, bis wieder die erste U-Bahn fährt." Das ging sogar soweit, dass, als sie zum ersten Mal in unserem Zimmer waren, angefangen haben aufzuräumen, und festlegten, wo wir unsere Lebensmittel zu lagern hätten, und wie wir unsere Betten zu machen hätten. Nichtsdestotrotz hat sich Andi unsterblich in Marina verliebt. Und spätestens auf der romantischen Dampferfahrt durch die geöffneten Brücken der Neva hats gefunkt! Doch tragischerweise reisten die Mädels am Sonntag zurück nach Ischewsk. Nach einem Missverständnis über die Abfahrtszeit ihres Zuges startete Andi einen filmreifen Spurt von der Wohnung des Vizegeneralkonsuls über Nevskij Prospekt hin zum Moskovskij Vokzal, rannte laut ihren Namen rufend den Bahnsteig entlang, und erwischte sie noch 2 min vor Abfahrt des Zuges. Wenn ihr wissen wollt, wie diese Geschichte weiter geht, wartet auf den nächsten Blogeintrag......

Nachts auf der Neva
Simon Geburtstag

Samstag, 29. September 2007

Grüße aus Frankreich

Hallo ihr Vorderasiaten, Skandinavier und Spanier!
Ich hab' hier "im Wesentlichen" ja noch nix geschrieben. Wird Zeit das zu ändern.

In dem hier verlinkten Album findet Ihr, wie in der Rundmail versprochen, die Bilder von den Wanderungen. Ist echt schade, dass ihr da nicht dabei sein könnt, das hätte Euch auf jeden Fall auch gefallen. Und nachdem unsere Physiker-Wanderungen immer sehr cool waren, haben wir das hier quasi fortgesetzt. Bei den drei Wanderungen, von denen die Fotos stammen waren bis auf einmal nur Physiker dabei und eigentlich auch nur Deutsche.


Wandern

Wie klappt's überhaupt bei Euch allen so mit dem Sprachverständnis. Die Svenja hat ja schon geschrieben, dass es bei ihr mittlerweile relativ gut klappt. Wie sieht das denn in Rußland und Schweden aus? Könnt ihr Euch schon unterhalten? Ich muss ja zugeben, dass ich trotz Französisch-LK meine Probleme hab die Leute in unserem Alter zu verstehen. Vor Allem den David, der aus Kanada (dem französischsprachigen Teil) kommt. Da versteh ich immer nur die Hälfte, den Franzosen geht das aber bei dem teilweise auch so. Hoffentlich wird das noch. Aber da bin ich zuversichtlich.


Ab nächster Woche hab ich auch einen Sprachkurs. Für den hatte wir am Donnerstag einen Einstufungstest, da war ein ganzer Hörsaal voll mit ein paarhundert Leuten. Da kam man sich echt vor wie in so einer Leitkulturmaßnahme. Alle Ausländer werden erst mal überprüft, damit wir auch ja nicht die Sprache versauen. Aber an und für sich ist der Sprachkurs ne feine Sache, er kostet nix und wir von der Uni organisiert und gibt 3 ECTS-Punkte!! Obwohl mir die ja egal sein können.


Was hört ihr eigentlich so für Vorlesungen? Ich hab mich mal an "Quantenfeldtheorie" und "rel. QM und Eichtheorien" gewagt, auf Französisch! Bin ich ja mal gespannt wie das wird. Gibt jedenfalls nen ordentlichen Batzen Hausaufgaben. Und die machen hier auch gern mal 5 Stunden Vorlesung mit 15 Minuten Pause in der Mitte. Ohne mit der Wimper zu zucken. Das war bei der QFT-Vorlesung in der zweiten Woche, wo er den mathematischen Unterbau gemacht hat. Total verrückt! Aber alles in Allem kommt man echt ganz gut mit bei den Vorlesungen. Ich musste sogar in der einen Übung schon vorrechnen, aber musste zum Glück nicht so viel reden :-)


Lasst was von Euch hören!! Liebe Grüße

Sonntag, 23. September 2007

Russland ist Wunderland

Mit letzter Kraft und zittriger Hand schreibe ich vom Bett aus diese Zeilen. Die unangenehme Erkenntniss des gestrigen Abends kam mit aller Gewalt über mich ... Kalmücken sind wackere Trinker. Derweil erscheinen hier die Ereignisse der letzten Tage zunehmend surreal und nur das geklaute Weinglas mit dem eingravierten "E" zeugt noch davon, dass wir tatsächlich im Ekaterinenpalast mit der Bürgermeisterin Cognac getrunken haben, nur das Scherbenmeer im Treppenhaus bestätigt, dass mich tatsächlich ein Russe mit Machete am Gürtel um 3 Uhr morgens eingeladen hat, mit einer Steinschleuder Stahlkugeln auf Bierflaschen zu schießen (war sauschwer) und nur der Wörterbucheintrag zu "fluorografia" belegt, dass uns die Russen nach dem AIDS-Test jetzt tatsächlich auch noch röntgen wollen.

Immerhin war letzte Woche langsam mal so etwas wie ein Alltag erkennbar. Als wir Montag morgen voller Ehrgeiz an den schlafenden Hunderudeln und dem Pferd, das seit einigen Tagen vor der Uni angebunden ist, vorbei in die Fakultät kamen fanden wir alles verwaist vor. Eine Stimmung als ertönte gleich die letzte Sirene und der Befehl zur Sprengung des Gebäudes. Überall wo wir geklopft haben - Totenstille und das um 10 in der Früh. Das Rätsel klärte sich auf, als uns erklärt wurde, dass die Arbeit in Russland durchaus um 8:30 anfange, es jedoch akademisches Privileg der Professoren wäre erst um 11 zu erscheinen ... und mit ihnen auch der ganze Rest der Belegschaft. Seit dem fangen unsere Tage etwas später an - was mir nicht gerade unangenehm ist. Die Vorlesungen waren dann eher abenteuerlich. Zwar können wir sogar aus einem kleinen Kanon englischer Vorlesungen wählen, aber es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass eine Vorlesung eine halbe Stunde zu spät anfängt und dadurch beendet wird, dass der Prof einen Beweis in den Sand setzt und frustriert abbricht. Als wir Prof. Trojan unsere Verwunderung schilderten, dass es bei den Sehenswürdigkeiten verschiedene Preise für Ausländer, Russen, ausländische Studenten und russische Studenten gäbe, gab er auf deutsch den bemerkenswerten Spruch "Da sehen sie - Russland ist Wunderland" von sich.

Am Dienstag schließlich wurden uns endlich die roten Teppiche ausgerollt, auf die wir seit drei Wochen warten. Zarskoje Zelo ist ein ehemaliges Zarenschloss, dessen Direktor sich in den letzten 30 Jahren scheinbar sehr um die Restauration der Anlage und die Wiederherstellung des dort installierten Bernsteinzimmers verdient gemacht hat, womit sein 60 Geburtstag ein gesellschaftliches Ereigniss in Petersburg ist. Seine Geburtstagsgala wurde stilecht im Palast abgehalten, Schauspieler, Politprominenz und andere Leute, die die Boulevardpresse beschäftigen kamen zu diesem Anlass ... und wir. Der Kerl ist befreundet mit einem Professor der ökonomischen Fakultät und hatte es diesem ermöglichet, zehn exklusive Einladungen zu seiner Feier an Studenten zu vergeben. Zwei BWLer sprangen ab und somit wurde Platz für zwei schlechtgekleidete Physiker, die nicht wussten, wie ihnen geschah. Über den roten Teppich wurden wir durch die Palastanlage direkt auf den Ekaterinenpalast geführt, als wir das Gelände betreten beginnt auf dem Balkon des Palastes eine Blaskapelle zu spielen und wir stellen uns etwas beklemmt mit den anderen Studenten neben eine riesige Eisskulptur, wo man uns gleich den ersten Schampus in die Hand drückt. Nach diesem Stehempfang wurde die etwa 150 Mann umfassende eitele Gesellschaft durch den Palast in den großen Saal geführt. In einigen Räumen waren Musiker aufgestellt, die das Palasterlebnis auf Cemballo und Querflöte noch verstärkten. Durch das Bernsteinzimmer gelangten wir schließlich in den großen Saal, wo zum Anfassen vor uns ein kleines Orchester Aufstellung nahm und in den folgenden zwei Stunden so ziemlich alle Solisten des Mariinsky Theaters begleitete, Sänger, Pianisten, Geiger und ein italienischer Saxophonist. Ein kompletter Kinderchor nahm für ein einziges Stück Aufstellung, so dass die Zahl der Musiker dann die Zahl der Gäste überschritt. Danach ging es ans Buffet. Für jeden Gang war ein Saal des Palastes vorgesehen. Den ersten Vodka im Vorspeisensaal betteten wir auf eine solide Kaviar-Grundlage und mit jedem Löffel weiteren Bissen schluckten wir mehrere Monatsmieten. Nach dem Hauptgang im zweiten Saal krönte der Schokobrunnen im Nachspeisensaal schließlich unseren kulinarischen Abend. Vollgefressen und von der Klassik beseelt wurde uns zu Allem Überfluss noch ein Feuerwerk synchron zur gespielten Musik dargeboten und wir hiernach Nobel-Taxibusen nach Hause oder zur U-Bahn gebracht. Alles in Allem ein netter Abend gewesen.

Um den Eintrag nicht unnötig lange werden zu lassen, breche ich hier ab und vom Besuch in der Kunstkamer, dem Peterhofer Palast und vom Knödelessen mit den Mädels, die uns in die Heremitage begleitet haben hänge ich nur Bilder an.

Knödelessen
Kunstkammer

Petrodvoretz


Zarskjoe Selo

Dienstag, 4. September 2007

Dobro Paschalovat


Servus...
Wir sind angekommen und nach einer Woche hat sich das erste Chaos mittlerweile soweit gelegt, dass ich eine Stunde im Computerraum verbringen kann. Ein erstes Resumee: Russland hat uns ... Wir wohnen fuer 80 Eur im Jahr (!!) in einer Bauruine, unsere Mitbewohner haben im Allgemeinen mehr als zwei Beine, es ist bitterkalt und regnet seit wir hier sind ... mit einem Wort: Es ist fantastisch!!
Aber von Anfang an:
Donnerstag letzte Woche fuhr uns mein Garchinger Nachbar (dank dir, Juergen) nach einem etwas chaotischen letzten Abend in aller Fruehe an den Flughafen, von wo aus wir um 8:10 Richtung Osten entschwebt sind. Einige Stunden spaeter, in Petersburg angekommen, werden wir tatsaechlich am Flughafen abgeholt und wir lernen Ines und Ruediger, zwei Dresdner kennen, mit denen und einer gehoerigen Portion Humor wir uns bis heute durch den russischen Buerokratiedschungel schlagen. Nach einer schier endlosen Fahrt durch den Petersburger Stadtrand laedt uns Dimitri schliesslich am Filmset des postnuklearen Terminator V ab und behauptet wir waeren am Wohnheim angekommen.... dem war denn auch so. Ohne dass wir wissen, wie uns geschieht werden wir durch vielerlei fuersorgliche Haende gerreicht, um schliesslich Bewohner von Zimmer 35 im 14. Block des Wohnheims zu werden, wo lediglich das eruptiv aufsteigende Mittagessen half einen Entsetzenschrei zu unterbinden. Die Toilette ist praehistorisch, die Klobrille muss manuell aufgelegt werden, die Dusche laeuft durch ein verschimmeltes Loch im Boden ins Ungewisse ab, der Schimmel an der Decke laesst jedoch vermuten, dass die Russen unter uns stets mit uns Duschen muessen, ob sie wollen oder nicht. Nach einigen Stunden im neuen Zimmer war denn auch klar, dass wir lediglich die obere Schicht einer Bewohnerschaft stellen, die mehrere evolutionaere Stufen ueberspannt.

Um es kurz zu machen: Entsetzen und Faszination mischten sich am Abend zu gleichen Teilen mit einigen Flaschen Bier, die die Realitaet an diesem ersten Abend auf ein akzeptables Mass daempften und zu einer nicht gerade geruhsamen Nacht fuehrten. Ach ja: Auf den Bildern sind neben uns Ruediger, Ines und Andreas, ein Russlanddeutscher, der gerade an einer E-Mail an den russischen Kultusminister tueftelt, zu sehen.
Am naechsten Tag... begann der Papierkrieg. Er erwischte uns eiskalt morgens in der Innenstadt, wo uns die Vorhut einer Armee russischer Sekretaerinen mit "Schdaitje, paschalujsta - Warten sie bitte" auf unser Tagesgeschaeft einschwor. Den Rest des Tages hielten wir uns stehend in wechselenden Fluren vor diversen Bueros mit mehr oder weniger Formularen in der Verwaltung auf - die ein Grossteil des Hauptgebaudes okkupiert. Was wir dort eigentlich gemacht haben - davon haben wir keine Ahnung. Wie in einem Computerspiel mussten wir durch Unterschriften stets neue Level mit neuen Formularen freischalten, deren Sinn sich uns selten erschloss und auch selten ein Fortschritt erkennbar war. Am Abend verliessen wir die Front wie wir gekommen waren - ohne Papiere und Ahnung, hatten aber eine Menge Dokumente produziert, ausgefuellt und transferiert, die sich leichter in Masse als in Stueckzahl bemessen laesst.
Im Wesentlichen ging es bis heute so weiter, mit dem Unterschied, dass wir souveraener Warten, dem Ganzen mit einer stoischen Gelassenheit gegenueberstehen und unsere Passnummer auswendig koennen. Um einem falschen Eindruck vorzubeugen: Es koennte uns nicht besser gefallen. Dass wir unsere empfindlichen Hintern nicht auf samtene Klobrillen betten koennen, hatten wir erwartet und dass wir Haustiere haben, gegen die man mit Spraydosen vorgeht hat uns auch nicht weiter erstaunt. Immer wieder ueberrascht jedoch sind wir davon, mit welcher Freundlichkeit uns die Russen aufnehmen und dass fuer Eingeweihte in dieser ganzen Buerokratie tatsaechlich ein Muster erkennbar sind und wir scheinbar noch ganz obenauf schwimmen. Heute waren wir an der Fakultaet - ein Traum. Geraete von vorgestern, streunende Hunde - ein Institut der komplett begrenzten Moeglichkeiten. Aber eine Atmosphaere, wie sie sympathischer nicht sein koennte. Mehrere Stunden lang wurden wir von Professor zu Professor gerreicht, die nicht Muede wurden, uns ihre tollsten Aufbauten zu zeigen, ihre Mitarbeiter vorzustellen und uns zu erklaeren, dass sie auch ganz viele Geraete aus Deutschland haetten. Jedenfalls sieht alles Bestens aus. Wir werden einen Sprachkurs direkt an der Fakultaet bekommen, koennen tatsaechlich zwischen einigen Vorlesungen auf Englisch waehlen und uns wurden schon Jobs in der Festkoerperspektroskopie angeboten.
Ach ja - und was unser Wohnheim nicht schafft, damit dient St. Petersburg - die Innenstadt geht ueber vor Schoenheit und Prunk. Leider war es verregnet und grau - daher kein schoenes Bild. Unser Internetzugang hier ist noch sehr provisorisch ueber Computerraum mit begrenzter Zeit und Volumen, daher werde ich nur kleine Bilder posten. Wir hoffen bald einen Anschluss auf unsrem Zimmer zu bekommen - unsere Nachbarn (Dimitri und Dimitri) haben schon einen.

Erste Nachricht aus Schweden

Hej,
so bin ja jetzt auch schon einige Zeit hier und habe bisher in der Wohnung von Johan (wer ihn nicht kennt, er war auf Erasmus in München letztes Jahr) geschlafen. Am Freitag war Party bei ihm auf dem Landhaus in den Schären was sich als unglaublich groß herrausgestellt hat. War auf jeden Fall recht lustig und mit vielen Leuten.

Heute hab ich mein Zimmer im Wohnheim bekommen, war erstmal ein kleine Überraschung, da ich keine Matraze im Bett vorgefunden habe und auch noch nicht sicher bin ob die Heizung funktioniert. Diese ist aber auf jeden Fall schon schön langsam sinnvoll, da abends der Atem schon zu kondensieren beginnt. Ansonsten ist es ca. 16 qm groß und hat einen Schrank in einer etwas merkwürdigen Farbe. Im Moment macht es den Eindruck wie in einem Krankenhaus, aber daran kann man ja noch was ändern. Morgen fahre ich endlich zu IKEA obwohl ich nicht weiss wie ich das alles Transportieren soll was ich brauche. Lustig ist, dass da ein Bus umsonsten stündlich hinfährt. Auf jeden Fall ist noch einiges zu tun.




Die lage ist aber echt gut, man is mit der U-Bahn sehr schnell in der Innenstadt könnte aber auch zu Fuß gehen. Von meinem Fenster aus sehe ich den Wald der hier sowieso allgegenwärig ist auch direkt im Campus kann man kleine Stücke wandern gehen. Auch die Gebäude sind sehr schön zumindest von aussen (alles alter Backstein mit Efeu bewachsen), der Rest wird sich zeigen.



So richtig kennengelernt hab ich leider noch keinen weil die meisten ja schon seit August hier sind und da auch viele Aktivitäten waren. Aber ist ja erst der Anfang und ich hab bisher auch noch nichts unternommen.

Naja das wars dann erstamal

Vi ses!
Stefan

http://picasaweb.google.com/shubermmm/Stockholm1